Römisches Grabmal Nickenich

An einem Parkplatz am Ortsausgang von Nickenich Richtung Maria Laach gelegen, dort wo sich auch die Sportstätten befinden und der Traumpfad Pellenzer Seepfad seinen Ausgangspunkt hat, finden wir eine gallorömische Grabanlage aus dem 1. Jh. N. Chr.. Sie gehört zu den wichtigen römischen Grabdenkmälern in Rheinland-Pfalz und besteht aus einem Rundgrab (Tumulus) und einem Nischengrabmal. Es handelt sich um einen Bestattungsplatz einer villa rustica, also eines Gutshofes.
Die heutige Grabanlage ist eine Rekonstruktion von Funden, die in den Jahren 1931/1932 bei Grabungen entdeckt wurden. Sie steht einige Meter nordwestlich des Fundortes. Der Originalstandort wurde mit einem Wohnhaus samt Garagen überbaut. Das Original befindet sich heute im Rheinischen Landesmuseum in Bonn.

Der Tumulus von Nickenich (Rekonstruktion)

Tumulus - Rekonstruktion
Der Tumulus von Nickenich ist ein Rundbau aus römischer Zeit. Es handelt sich um ein Grabdenkmal ohne Grabkammer (Kenotaph), das ursprünglich von einem Erdhügel (Tumulus) bekrönt war.
Bauwerk
Bei den Ausgrabungen des 1931/1932 entdeckten Tumulus wurden Quadersteine aus Tuffstein vorgefunden, deren untere Lagen noch auf dem Fundament ruhten, während die Steine aus den höheren Lagen z. T. nicht mehr an Ort und Stelle waren. Das Baumaterial stammte aus dem nahe gelegenen Römerbergwerk Meurin. Ursprünglich waren die Steine wohl durch Holz- oder Metallklammern miteinander verbunden. Dies lässt sich aus schwalbenschwanzförmigen Vertiefungen in den Oberseiten der Quader schließen. Das Innere des Rundbaus war mit Lavagestein verfüllt; eine Grabkammer war nicht vorhanden. Neben dem Fundament, das einen Durchmesser von etwa sieben Metern hat, wurden weitere Quader, ein Inschriftenstein, ein Quader mit Einarbeitungen für die Inschrift sowie Teile des Gesimses gefunden. Insgesamt waren noch etwa 70 % der ursprünglichen Bausubstanz vorhanden. So ließ sich der Tumulus mit einer Höhe von etwa 2,5 Metern rekonstruieren.

Der Inschriftenstein (Rekonstruktion)

Der Inschriftenstein (Rekonstruktion)

Der Inschriftenstein trägt den Text:
CONTVINDA ESSVCONIS F[iliae]
SILVANO ATEGNISSA F[ilio]
H[eredes] EX TES[tamento] F[ecerunt]
Übersetzt: Der Cotuinda, der Tochter des Esucco [und] dem Silvanus Ategnisa, ihrem Sohn, [haben] die Erben aufgrund testamentarischer Bestimmung [dieses Grabmal] errichtet.


Das Nischengrabmal von Nickenich (Rekonstruktion)

Das Nischengrabmal von Nickenich (Rekonstruktion)
Etwa vier Meter vom Tumulus entfernt wurde ein Grabmal gefunden, das aus drei mit Löwen bekrönten Nischenstelen aus Kalkstein auf einem Tuffsockel besteht. In den Nischen befinden sich insgesamt vier Reliefs von Personen: In den beiden äußeren Nischen sind Männerfiguren, die jeweils eine Schriftrolle halten, zu sehen. Sie tragen römische Kleidung. In der mittleren Nische sind eine Frau und ein Kind dargestellt. Die Frau trägt keltischen Schmuck, eine keltische Frisur und die keltische Tracht, darüber aber einen römischen Mantel. Das Kind ist mit Tunika und Pallium bekleidet. Die Personenkonstellation – Mutter und Sohn -, die räumliche Nähe zum Tumulus, in der die Steine gefunden wurden, die Vermischung keltischer und römischer Elemente sowie das Fehlen einer gesonderten Inschrift legen den Schluss nahe, dass es sich bei den beiden Personen der mittleren Stele um die auf dem Inschriftenstein erwähnte Contuinda und ihren Sohn Silvanus Ategnissa handelt und dass somit Reliefstelen und Tumulus zusammengehören.
Datierung
Der Stil des Nischengrabmals weist auf eine Entstehung im 1. Jh. n. Chr. hin. Schriftart und Formulierung des Textes auf dem Inschriftstein lassen auf eine Entstehungszeit um 50 n. Chr. schließen. Gemauerte Rundbauten von der Art des Tumulus von Nickenich waren ab dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. üblich, wobei die keltischen Einschläge des Kenotaphs von Nickenich eher auf den Anfang dieser Zeitspanne hinweisen. Insgesamt ist also eine Entstehung zwischen 50 und 100 n. Chr. anzunehmen.

Literaturnachweis:
Wikipedia
www.vulkanpark.com