Der Karthäuserhof/Winkelinhof

Der Nickenicher Karthäuserhof ist unweit der Kirche St. Arnulfus in der heutigen Zehntstraße 5/7 gelegen. Der heutige Karthäuserhof ist eine ab dem Jahre 1755 errichtete barocke Anlage mit elfachsigem Walmdachbau, zwei Toren und Scheune

KarthäuserhofDer Wirtschaftshof befand sich wahrscheinlich bereits vor 1300 n. Chr. im Besitz der Trierer Kurie und wurde als Lehen vergeben.

Das Geschlecht der Ritter Winkelin oder Winkel von Nickenich war vermutlich um 1300 aus der kurtrierischen Neuerburg im heutigen Kreis Wittlich nach Nickenich gekommen und erhielt den Wirtschaftshof zum Lehen.

KarthäuserhofDer erste uns bekannte Spross dieses Geschlechts war Abt Johann Winkelin von Maria Laach (1328 – 1333).

Die Eheleute Heinrich Winkelin und Nesa (Agnes) waren als letzte ihres Geschlechts in Nickenich Inhaber des kurtrierischen Winkelinhofes.

Er wurde 1340 vom Erzbischof und Kurfürsten von Trier, Balduin von Luxemburg, dem 1332 gegründeten Kathäuserkloster St. Alban zu Trier übertragen.

Der wahrscheinlichste Grund für die Übertragung war wohl die Tatsache, dass aus der vorgenannten Ehe keine männlichen Erben hervorgingen.

Die Töchter der Familie erhielten die Besitzungen zu Wassenach.

Weitere Mitglieder dieser Familie tauchten in den Jahren 1373 und 1379 in Verbindung der Brüder Dietrich und Walram Winkelin auf, wobei Dietrich Mönch zu Maria Laach war.

Zu dem Winkelinhof gehörte eine halbe Edelmärkerschaft im Nickenicher Wald, eine Hofstätte im Dorf mit einer halben Märkerschaft, 63 Morgen Land im Nickenicher Banne, ein Morgen Weinberg mit einem Jahresertrag von 1 Fuder, ein Weinberg in Wassenach, Wiesen in Wassenach mit einem Heuertrag von zwei Wagen und Zinseinkünften aus beiden Orten von 24 Schillingen und 24 Hühnern.

Edelmärkerschaft/Märkerschaft bedeutet einen Nutzungsanteil im Wald.

Der Nickenicher Karthäuserhof war kein Kloster, sondern nur ein Wirtschaftshof, der von einem Hofmann verwaltet wurde. Diesem Hofmann oblagen die Bearbeitung der zum Hofe gehörigen Liegenschaften, sowie die Entgegennahme des für die Kirche eingehenden Zehnten. Er musste sich diesbezüglich jedoch dem Schaffner oder Kellermeister des Klosters Rechenschaft ablegen.

Aus der Zehntordnung des Jahres 1615 geht folgende Abgabenregelung hervor:

Von je 10 Getreidegarben, die im Felde geerntet wurden, war eine abzuliefern. Bei einem Getreideabgabenrest von über 6 Garben musste ebenfalls eine volle Garbe abgeliefert werden. Unter 6 Garben waren frei.

Erbsen, Bohnen, und Linsen wurden auf Hürden gesetzt. Für jeweils 5 Hürden war eine Abgabe von einer halben Hürde festgelegt.

Diese Regelung galt auch für Flachs.

Der Wein wurde in geeichten Bütten gesammelt, wobei streng darauf geachtet wurde, dass keine Weißen und roten Trauben gemischt und keine unreifen Trauben beigegeben wurden.

Die Zehntleistung war der des Getreides geleichgesetzt.

Beim Lämmerzehnten wurden die Bestimmung des abzugebenden Lammes dem Zufall überlassen. Man Trieb die Tiere durch ein Gatter und jedes 10. Tier gehörte dem Kloster.

Zuwiderhandlungen kosteten eine Strafe von 10 Talern.

Die ursprünglichen Gebäude wurden ab dem Jahre 1755 durch die noch heute bestehenden Gebäude ersetzt.

Die Güter der Karthause wurden am 19. Mai 1808 im Zuge der Säkularisierung für 5.600 Taler oder 21.000 Franken an den Privatmann Gerdolle verkauft und später von diesem weiter veräußert.

Das Anwesen ist heute geteilt und im Besitz der Familien Girgert und Krings.

 

Zeittafel

  • 1300 n. Chr. Ursprünglicher kurtrierischer Lehenshof der Ritter Winkelin oder Winkel von Nickenich (Winkelinhof)
  • 1328 – 33 erster bekannte Spross der Familie – Abt Johann Winkelin von Maria Laach
  • 1340 Nach Erlöschen des Rittergeschlechtes Winkelin wurde er vom Erzbischof und Kurfürsten von Trier, Balduin von Luxemburg dem Kloster St. Alban übertragen
  • ab 1755 Errichtung der noch heute bestehenden Gebäude
  • 1808 Verkauf der Güter der Karthause an den Privatmann Gerdolle
  • Besitzer des heutigen geteilten Anwesens sind die Familien Girgert und Krings.

 

Literaturnachweis:

H.H. Schramm 2002

Dr. Carl Wilkes 1925, Nickenich in der Pellenz