Hedwig von Are

Geschichte der Herrschaft Kempenich
- geschrieben um 1800 - lagernd im Landeshauptarchiv zu Koblenz, Bestand 701, 784 -(1. Übersetzung vom April 1991 - im Originaltext - Emst Lohmeier, Archiv Lohmeier)

Unter dem Namen der Herrschaft Kempenich war bis im fünfzehnten Jahrhundert eine kleine Herrschaft, im Ländchen bekannt, das von eigenen Dynasten beherrscht ward.
Sie nannten sich Herren von Kempenich, bewohnten Burg und Veste gleichen Namens, hatten daselbst und an vielen anderen Orten, Burgmänner und Vasallen und waren selbst Lehnträger des Erzstiftes Trier. Ihr Geschlecht starb im Jahr 1424. im MannStamm aus und ihr Schloß und ihre Herrschaft warden von den Kurfürsten von Trier als heimgefallenes Lehen, theils wieder als Lehen, theils als Pfandschaft, abgegeben, bis sie endlich in neueren Zeiten eingelöset und dem Erzstift Trier einverieibt warden.

In beiden Stiftungsurkunden derAbtey Laach von den Jahren 1093. und 1112. kommen GrafMefried von Wied und sein Bruder Richwin von Kempenich, als Zeugen vor; die nehmlichen erscheinen, jedoch blos unter dem Namen: Graf Mefried, und sein Bruder, Richwin, in einer Urkunde, die Erzbischof Bruno von Trier im J. 1103. für das Collegiatstift zu Münster Meinfeld ausstellte, und Erzbischof Arnold von Kölln zählte in seiner aus fehrlichen Beschreibung der Wohlthäter des Klosters Rolandswert, vom Jahr 1143., unter dieselbe auch einen Richwin von Kempenich, der diesem Kloster Besitzungen zu Ramersbach, Runmersdorf und Ludinkoven geschenkt gehabt habe. Es lebten folglich zu Ende des eilften und zu Anfänge des zwölften Jahrhunderts zween Brüder, deren einer ein Graf von Wied, der andere ein Herr von Kempenich war. Beider Voreltern sind unbekannt und man will hieraus die Vermuthung ziehen, daß beide Stammväter der folgenden Grafen von Wied und Herren von Kempenich gewesen seyen. So richtig diese Vermuthung zu seyn scheint, so unerörtert bleibt dabei doch noch die Frage, woher es gekommen seyn möge, daß von zween Brüder einer den Beinamen von Wied, der andere jenen von Kempenich angenommen gehabt habe?
Das Wohnschloß des ersteren lag auf der rechten, jenes des anderen auf der linken Rheinseite und die wiedischen Geschichtsschreiber folgern hieraus die Behauptung, daß die ahe Grafschaft Bled dies und jenseits des Rheines gelegen gewesen sey und daß Mefried bei der Brildertheilung die Besitzungen auf der rechten Rheinseite erhalten, und sich von seinem Wohnsitze einen Grafen von B/ied, Richwin hingegen jene Besitzungen auf der Unken Rheinseite ererbt und sich einen Herrn von Kempenich genannt habe
Das Schloß Kempenich war nicht weit von Laach, vom Laacher See, von Nikendich und von Wehr entlegen; es lag in jener Gegend die zu den Besitzungen der alten Grafen von Aar-Hochstadten gehörte.
Ums Jahr 920. hatte der an Schlössern und Landen mächtige Sibodo, Graf im Ahrgau, sein Landgut Wehr zur Stiftung eines Jungfrauen-Klosters zu Steinfeld hergegeben. In der Folge, zwischen den Jahren 1045. und 1061., brachte Heinrich I. der Unsinnige genannt, Pfalzgrafzu Aachen, mit seiner Gemahlin Mechthild, einer gebomen Gräfin von Aar, die Herrschaft Laach und die Burg daselbst, mit der südlichen Hälfte des dasigen Sees, an sein Geschlecht.
Sein Sohn, Heinrich II., gab hernach, im Jahr 1093., diese mütterliche Erbschaft, nebst mehreren anderen Besitzungen, an das von ihm gestiftete Kloster Laach und er nannte sich, in der hierüber ausgefertigten Urkunde, ein Pfalzgrafen bei Rhein und Herrn von Laach.
Erst in der Folge, im zwölften Jahrhundert, kam die nämliche Hälfte des Laacher Sees mit dessen Ufer, so weit es sich in das Nikendicher Gebiet erstrecket, durch eine Schenkung des Grafen Gerhard von Hochstaden an das nämliche Kloster.
Die Gräfin Hedewig von Aar bewohnte die Burg der Grafen von Hochstaden zu Nikendich. Aus allem diesem folget, daß bis in die Mitte des eilften Jahrhunderts der ganze District, worin Laach, Wehr, Nikendich und auch Kempenich lagen eine unzertheilte Besitzung der alten Grafen von Aar-Hochstadten gewesen sey, daß nachher, bei einer Theilung unter ihren Erben, die nördliche Seite des Laacher Districtes der Grafen von Hochstaden und die südliche Seite der Pfalzgrafen zu Theil geworden sey, und daß man folglich damals nichts von Grafen von Wied gewußt habe, die in jenen Gegenden Besitzungen gehabt hätten.
Jene welche diese Behauptungen aufstellen, erklären nun ihre Vermuthung, wie Richwin, Bruder des Mefried von Wied, zu dem Schlosse, und hiedurch zu den Beinamen von Kempenich gekommen sey, auf folgende Art.
Die nehmlichen Pfalzgrafen welche Stifter des Klosters Laach waren, hatten auch auf der rechten Rheinseite nicht nur ansehnliche Besitzungen, sondern auch Vasallen. Ein solcher Vasall war vermuthlich der oft gedachte GrafMefried von Wied, da es bekannt ist, daß die Grafschaft Wied von jeher immer pfälzisches Lehen war; und solche Vasallen waren auch im Jahr 1088. die drei Brüder Gerlach, Wilhelm und Richwin, Dynasten von Rommersdorf, welche ohnweit den pfälzischen Besitzungen, Bendorf, Heimbach und Bisena /.Isenburg:/ auf einem hinter der von ihrem Geschlechte gestifteten Abtei Rommersdorf gelegenen Berge, den man noch die Alte Burg nennet, ihr Wohnschloß hatten.