Burg/Burgtor

Die Burg um 1660Die Burg um 1660


Die Burg mit Wirtschaftsgebäude

Heute noch erhaltenes Burgtor
Repros nach Gemälden von Rémy Kail

Als einziger besonders bemerkenswerter Überrest des bedeutendsten einstigen Rittersitzes zu Nickenich erhebt sich mitten im Dorf das unter Denkmalschutz stehende "Burgtor". In seiner monumentalen Form aus Basaltlavasteinen von dem Mainzer Dompropst Baron Heinrich Ferdinand von der Leyen zu Nickenich im Jahre 1677 errichtet und mit dem Ehewappen seiner Eltern, Lothar Ferdinand v. d. Leyen und Maria Sophia Brömser von Rüdesheim, geschmückt, bildet es eine Zierde des Ortes. Einst war es der Eingang zu den Wirtschaftsgebäuden des Burgbezirkes. der sich zwischen der (1612 erstmalig bezeugten) "Galgengasse" und der sog. "Schießbahn", die einst wohl ein Übungsplatz für die ritterliche Jugend war, erstreckte. Die Burg selbst lag auf der oberen Hälfte der schon 1528 erwähnten "Burgstraße". Ein lückenloses Bild von ihr vermögen wir uns nicht zu machen. In der Mitte der Straße erhob sich noch im 19. Jahrh. ein hoher runder Turm. In seiner Nähe haben sich geräumige Keller erhalten; auch an eine bei dem Turm befindliche Zisterne wissen sich alte Einwohner noch zu erinnern. Auf der Höhe der Straße stand der Überlieferung nach inmitten eines kleinen Tannenhaines die Schlosskapelle, in der jedoch schon im 18. Jahrh. keine Messe mehr gelesen wurde, wie ein kirchlicher Visitationsbericht vom Jahre 1758 besagt. In der Nähe der Kapelle werden wir die eigentlichen Wohnräume des Burgherren bzw. seines Verwalters ("villicus" oder "scultetus") zu suchen haben. Von der Kapelle führte ein Pfad über die Höhe bis zu dem am unteren Ende der "Bachgasse" im "Oberdorf" befindlichen Junkerhaus, das angeblich den unverheirateten Söhnen des Burgherren (Junker - junger Herr) als Wohnung diente. Wahrscheinlich wird diese Überlieferung durch die dort geltende Bezeichnung "Porteshaus", das nur als Pfortenhaus zu deuten ist. Große terrassenförmig angelegte Burggärten reichten links von der Burgstraße bis zur Galgengasse. Mit Wasser wurde die Burg von der Gemeindebrunnenstube aus versorgt.
Die Burg war im Laufe der Jahrhunderte im Besitz von verschiedenen Adelsgeschlechtern. Es sind zu nennen:

  • von Are
  • Ritter Meinfelder
  • Eberhard von Reimichingen
  • von Sötern und Ritter Gramman
  • Ritter Schilling von Lahnstein
  • von der Leyen
  • von Breitbach-Bürresheim



Über die Anfänge der Burg haben wir keine Nachrichten, da die urkundliche Überlieferung über sie erst zu Ende des 14. Jahrh. einsetzt. Im Jahre 1369 wird sie erstmalig von Kurköln verlehnt.
Es wird vermutet, dass sich die Burg auf eine im Besitz der Grafen von Are befindlichen Schlossanlage gründet.
Wann die Türme und auch die Umfassungsmauern der Burg verschwunden sind, ist heute nicht mehr nachzuweisen.
Die Burg, die mit Sicherheit ab 1795 nicht mehr bewohnt war, verfiel ab diesem Zeitpunkt.
Im Jahre 1827 wird sie erstmals in Katasteraufzeichnungen als Ruine vermerkt.
Im Jahre 1836 wurde sie versteigert und von Nickenichern Bürgern vom damaligen Grundbesitzer, dem Grafen von Renesse-Breitbach, erworben und zum Abbruch für den Bau neuer Häuser entlang der inzwischen neu parzellierten Burgstraße freigegeben .

Zeittafel
Die Burg im Besitz von Adelsgeschlechtern

  • vor 1300 vermutete Schlossanlage derer von Are
  • um 1300 - 1467 erste benannte Lehensinhaber des Burggutes

Ritter Meinfelder
Bezeichnung der Burg als „Meinfelderhaus“

  • 1467 - 1481 Eberhard von Reimichingen
  • 1481 - 1518 von Sötern und Ritter Gramman
  • 1518 - 1610 Ritter Schilling von Lahnstein

Bezeichnung der Burg als „Schillingsburg“

  • 1610 - 1708 von der Leyen
  • 1708 - 1836 von Breitbach-Bürresheim
  • ab 1795 Burg nicht mehr bewohnt und dem Verfall preisgegeben






Literaturnachweis:
Dr. Carl Wilkes 1925, Nickenich in der Pellenz
H.H. Schramm 2002
Johannes Andernach 1978, Nickenich in Bildern und Zeichnungen